Um es gleich beim Namen zu nennen: Die Jungen und Mädchen, Männer und Frauen, die nächsten Sommer zu Tausenden gratis für die millionenschwere Uefa unter der österreichischen und schweizerischen Sonne schwitzen werden, die so genannten UEFA EURO 2008™ Volunteers, sind moderne Arbeitssklaven. Allerdings gehören sie zu einem neuen Typus, und diesen zu schaffen ist eine der herausragenden Leistungen der Fifa-Tochter. Zum einen arbeiten sie tatsächlich freiwillig und gänzlich gratis, also nicht wie die Angehörigen der Generation Praktikum et al, die sich aus einem pekuniären Zwang heraus und aufgrund fehlender Alternativen lausig bezahlen lassen. Zum anderen stehen sie im Dienst einer Organisation, die nach der Euro 2004 mit 700 Millionen Franken Gewinn in der Kasse aus Portugal abzog (NZZ vom 23.4.2006 / Felix Reidhaar), sie also samt und sonders fürstlich entlöhnen könnte, es aber aus verständlichen Gründen vorzieht, dies nicht tun, solange sich eine billigere Lösung finden lässt.
Da es in der Natur der Sache liegt, dass solche Lösungen nicht gefunden werden, sondern dass man sie schaffen muss, hat die Vereinigung Europäischer Fussballverbände (Uefa) damit begonnen, in einer gross angelegten PR-Kampagne die Fussball-Europameisterschaft als völkerverbindenden, quasireligiösen Anlass (das Motto: «Erlebe Emotionen») zu inszenieren, in dessen Zentrum der Strahlenkranz des Gemeinschaftsgedankens jede weltliche Regung, so etwa die Frage, weshalb das beinahe-Milliarden-Unternehmen seine 5000 Helfer nicht entlöhnt, in die Finsternis der niederen Gesinnungen drängt. Dahingegen gewährt die Uefa allen Helferinnen und Helfern ihr urbi et orbi (Uefa): «Eine Veranstaltung von solchem Ausmaß wie die UEFA EURO 2008™ wäre natürlich ohne die Unterstützung durch zahlreiche Freiwillige nicht durchführbar.» Natürlich.
Interessanterweise, wenn auch nicht gänzlich überraschend, verhält sich die Aggressivität dieser PR-Kampagne proportional zum Wachstum des unternehmenseigenen Bankkontos.
Hier kommt nun endlich der Begriff Uefa-Volunteer ins Spiel. Er macht sich nur schon dadurch suspekt, als dass er bei einer Fussball-Europameisterschaft in zwei deutschsprachigen Ländern auf Englisch eingeführt wird, aber gut, man könnte sagen, die Uefa ist nun mal ein internationales Unternehmen. Dennoch zeigt sich hier ein interessanter Aspekt der PR-Kampagne; im Deutschen von Uefa-Volunteers zu sprechen verweist nicht auf simple Freiwilligenarbeit, sondern hier wird die Figur des Uefa-Volunteer geschaffen, ein mentales Produkt, das mit: jung, cool, dabei sein und Abenteuer etc. attribuiert wird. So arbeiten ja die Jungen nicht einfach freiwillig bei der Uefa, sondern man ist wer, man ist Uefa-Volunteer.
Aufgrund oben angestellter Überlegungen schätzen wir uns daher glücklich, der Uefa für den erfolgreich lancierten Begriff «Uefa-Volunteer» den Sprachpflege-Preis für die Wortnutte des Monats August verleihen zu dürfen.
ps. Wie solche Kampagnenbegriffe inklusive Attribute effizient und filterfrei kolportiert werden können, machte die Tagesschau des Schweizer Fernsehens (SF) in ihrer Sendung vom 27.7.2007 exemplarisch vor. Zwar liess sie die Gewerkschaft Unia noch kurz die Gratisarbeit für das millionenschwere Unternehmen kritisieren (Stellungname dazu), liess diese Nebenstimme dann aber in ein morendo gleiten und beendete die Werbesendung für die Uefa (immerhin ist SF offizieller Euro-Partner) mit einem erneuten crescendo: «Obwohl es nichts zu verdienen gibt, ist die Uefa zuversichtlich, genug Volunteers [das haben sie tatsächlich gesagt] zu finden. Es sollen sich bereits jetzt 10′000 für einen freiwilligen Einsatz im nächsten Sommer interessieren.» Diese unüberprüfbare Zahl reicht SF kommentarlos über den Tisch und gibt damit die Botschaft der UEFA weiter: Sofort anmelden, sonst könnt ihr nicht gratis arbeiten. Da tut TV-Gebühren zahlen wirklich weh.