Der Sinnmacher

Keller kam soeben von einer Besprechung mit dem Direktor zurück. Er wirkte ein wenig verkrampft, genauer gesagt, ein wenig verkrampfter als üblich. Er war erst zwei Monate in der Firma, eingestellt für ein Projekt, bei dem es darum ging, unrentable Geschäftsbereiche auszulagern. Der Erwartungsdruck seitens der Firma war ihm auf die Stirn geschrieben. Er schwitzte. Wie so oft als Neuer in spezieller Funktion musste er schnell Resultate liefern, um seine ökonomische Existenz zu rechtfertigen.

«Ich denke, der Chef hat begriffen, dass es keinen Sinn macht, uns noch länger mit den Einschätzungen der Berater herumzuschlagen», sagte Keller. «Wir müssen selber, und vor allem schnell handeln. Denn je schneller wir alle unrentablen Aufgaben an andere Firmen vergeben, desto besser stehen wir da.» Der Rest unserer Abteilung teilte Kellers Einschätzung nicht. Auch wenn der Auftrag zur Auslagerung direkt von der Konzernspitze kam, waren viele der Ansicht, dass wir uns nur besser organisieren müssten, um die Firma rentabler zu machen. Auslagern würde zu neuen Problemen führen, Erfahrung ginge verloren, und bis sich die Umstellung positiv in den Geschäftszahlen bemerkbar machte, würden Jahre vergehen. «Neinnein Leute, das macht absolut Sinn», meinte Keller. «Überlassen wir beispielsweise die Buchhaltung besser den Profis. Die wissen, wie man sowas effizienter organisieren muss. Die haben ihre Tools, langjährige Erfahrung, und arbeiten kostengünstiger als wir es je könnten.»

Wir waren noch immer nicht überzeugt. Und wir bekamen recht. Nach ein paar Interventionen unsererseits wurde das Projekt reevaluiert, die Auslagerung vorerst auf Eis gelegt. Keller, enttäuscht von der abrupten Kehrtwende, verliess die Firma, obwohl ihm ein neues Mandat angeboten wurde. Das hatte in unseren Augen als erste und einzige von Kellers Massnahmen Sinn ergeben.

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